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Eintrag vom 25.03.2006:
Wie die Rennpferde stehen die Läufer am Start und scharren mit den Hufen - noch wenige Sekunden bis der Startschuß fällt. Hochgezüchtete Kampfmaschinen, dem Winter bei Eis und Schnee getrotzt um jetzt beim ersten Wettkampf des Jahres zu zeigen, was man kann. Einige haben sich angezogen, als wäre Hochsommer, andere sind in langen Hosen und langen Pullis am Start. Hier zupft einer noch seine Startnummer zurecht, da die letzten Dehnübungen, noch einen Schluck aus der Pulle (werden nachher eigentlich Dopingtests gemacht...?)

Peng!!!

Es geht los; die wilde Horde bahnt sich den Weg vorbei an der Sporthalle Richtung Mosel, wildes Gerangel, Positionskämpfe, der Vergleich mit einem Formel-1-Start liegt nahe ...

Achso - ich hab ja ganz vergessen worum es heute eigentlich geht. "Erlebnislauf" haben die Schweicher ihre Laufveranstaltung getauft. Vom 500m-Bambini-Lauf bis hin zum 21,1 km Halbmarathon wird für jeden eine passende Strecke angeboten. Ich hab mich sozusagen in letzter Sekunde vom 21,1 km auf den 10 km-Lauf umgemeldet. Nach den Erfahrungen des ersten "über-20-ers" nach dem Skiurlaub schienen mir die 21,1 in Schweich etwas übertrieben. Ich will ja schließlich nicht letzter werden. Gibt es 'was Schlimmeres als Letzter zu werden? Ja! Aber dazu später mehr.

Also wie schon gesagt, die wilde Horde bahnt sich den Weg vorbei an der Stefan-Anderes-Halle, unterquert die Bundesstrasse um dann etwa in Höhe des Fährturms auf den Moselradweg in die Mosel zu fallen - jedenfalls fast. Es geht ein Stück die Mosel runter, unter der Autobahnbrücke durch. Hier sieht man schon, wie sich das Feld in die Länge zieht. Die Asse sind schon gar nicht mehr zu sehen. Später errechnet sich für den Sieger eine durchschnittliche Kilometerzeit von 3:12 min - Wahnsinn! (oder doch Doping?!)

Die erste Kilometermarke passiere ich bei 5:16, wie immer viel zu schnell aber das Feld reißt einen förmlich mit. Man kann gar nicht anders. Es geht jetzt zurück in den Schweicher Ortskern, da sind dann drei knappe 2-km-Runden zu absolvieren ehe es wieder zurück zur Halle und dem Ziel geht.

Noch in der ersten Runde, nach etwas mehr als 3 km überholt der Führende, fliegt nur so vorbei ... Doping - ich sag's ja. Der hat jetzt nach 16 Minuten schon 5 km hinter sich gebracht.

Und dann passiert es: Die erste Verpflegungsstation. Großes Getümmel an der Station, im Vorbeilaufen greif ich den Becher mit Tee, da läuft mir doch ne Läuferin von rechts genau in die Füsse. Mit nem geschickten dreifachen Rittberger weich' ich aus, Tee zur Hälfte verschüttet, Finger verklebt (boah, ist da Zucker drin, ein Löffel würde drin stehen bleiben) aber am schlimmsten: Bestzeit gefährdet!!! Weiter. Die Zuschauer an der Strecke peitschen uns voran. Genau 40:00 min bei 7 km. Um die Bestzeit zu knacken müßte ich jetzt drei Kilometer in 15:54 min schaffen - kaum mehr machbar mit verklebten Fingern ...

Es ist nicht mehr weit bis zum Ziel, auf der Zielgeraden werde ich angekündigt "...mit der Startnummer 553 Thomas Moritz aus Trier ... " ein erhebendes Gefühl. Applaus im Ziel. Genau 57 Minuten hat die ganze Tortur gedauert. Damit habe ich meine Wetkampfbestzeit ziemlich deutlich um 1:06 min verpasst. Neu Chance neues Glück, nächste Woche in Leiwen ...

Achso, eines bin ich noch schuldig. Über den 110. Platz komme ich ja noch hinweg, aber dass zwei über 60jährige Damen um sechs bis sieben Minuten schneller waren als ich, dass ist schlimmer als Letzter zu werden. Doping, ich sag's ja. ... ;-)