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Zwei Drittel des Weges sind geschaft. Nur noch sieben Kilometer bis zum Gipfel, dem „sommet“ wie der Franzose
zu sagen pflegt. Auf dem nächsten Kilometer sind einfache 36 Höhenmeter zu überwinden. Aber danach wird es einen Kilometer lang mit 11 % noch etwas steiler.
Die Skistation „Mont Serein“ hat geschlossen. Glücklicherweise liegt hier oben im Juni kein Schnee Meer. Aber bis weit in den April heißt es hier oben „Ski und rodel gut“. Am Nordhang des Mont Ventoux hat sich bei der 1.400 Meter hoch gelegenen Ortschaft Mont Serein ein kleines Skigebiet entwickelt: Acht Lifte, 12 km Pisten und eine Skischule hat der bis Ostern halbwegs schneesichere Ort zu bieten. Der Temperaturunterschied zwischen Berg und Tal beträgt normalerweise mindestens 10 Grad Celsius, bei besonders ungünstigen Wetterbedingungen können es im Winter auch bis zu 25 Grad Celsius sein. Wenn der Mistral über den Gipfel bläst ist der Mont Ventoux alles andere als ein einladender Ort. Aber im Moment geht’s, es weht nur eine „leichte Brise“ und ich habe freien Blick zum Gipfel
Die letzten vier Kilometer habe es noch mal in sich: 8 Prozent. Die letzten Getränkevorräte sind jetzt auch aufgebraucht. Das letzte Stück wird in Serpentinen bewältigt, jetzt oberhalb der Baumgrenze, daher hat man immer wieder grandiose Blicke auf die Umgebung. Nach knappen drei Stunden ist er bezwungen, der „Berg des Windes“, die Siegprämie wird in Naturalien gewährt: Der unverwechselbare Turm auf dem Gipfel kommt immer näher und mich erwartet gleich eines der schönsten Panorama von Europa. Auf der südlichen Seite, hinter der Ebene von Albion und dem Lure Berg habe ich Sicht bis zum Mont Visto und der Italienischen Grenze. Südlicher, die Gorges de Nesques, der Luberon, die Sainte-Victoire und der Etang de Berre bis zum Mittelmeer. Die nördliche Sicht öffnet ein Panorama von Ost nach West: das Rhônetal, das Cevennenmassif den Mont Aigoual und der Mont Blanc.
Sprachlos und um Luft ringend geniesse ich ... - - - ... so das war der letzte der drei Teile. 21 km, 1600 Höhenmeter in knappen drei Stunden. Wenn das in echt so klappt wie auf dem Laufband simuliert, wär’ es echt ein Erlebnis. Eigentlich war der Lauf auf den Mont Ventoux ja für Ende Mai geplant. Aber wegen Rikes Achilles-Sehnen-Verletzung und die für Sehnenverletzungen typische lange Verheilzeit machen ein Verschieben des Urlaubs auf Ende Juni notwendig – macht nix – hab ich noch vier Wochen länger Zeit mich darauf vorzubereiten ... Von hier aus „Gute Besserung“ Rike. |