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Eintrag vom 26.08.2006:
Wochenende!!! Nur noch vier Wochen bis Berlin. Zwei lange Läufe stehen noch auf dem Plan. Einer heute, der andere am kommenden Wochenende. Dann folgt das Wochenende in Frankreich, dann ein "freies" Wochenende und dann ist auch nur noch eine Woche bis zum großen Finale in Berlin. Die Zeit fliegt nur so dahin ...

Samstagmittag, Vanessa hat heute Geburtstag, von hier aus nochmal herzliche Glückwünsche. Ich werde heute Abend auch feiern, wenn ich nachher vom Lauf zurück bin.

Meine Wochenendaufgabe lässt sich heute in wenigen Ortsnamen kurz zusammenfassen: Biewer, Pfalzel, Ehrang, Kordel, Butzweiler, Beßlich, Aach, Biewer. Das ist die geplante Strecke. Nach Karte sind das genau 31 km, wobei es bei den Größenordnungen nicht auf 100 Meter ankommt.

Es ist kurz vor 15.00 Uhr. Eben hab ich noch Wäsche im Garten aufgehangen, die Sonne schien, aber jetzt läuft es zu. Auf der neuen Brücke am Biewerer Sportplatz seh’ ich schon das Unheil kommen: eine weiße Wand zieht langsam aber sicher von Trier her auf mich zu. Es wird Regen geben, das steht fest.

Bei Pfalzel am Bahnhof fängt es an. Erst kleine Tropfen, dann wird es stärker. Soll ich umkehren? Dann müsste ich mich morgen vielleicht noch mal motivieren, und morgen ist doch Formel 1 ... weiter. Am Ehranger Bahnhof wird es nicht besser und auf dem Radweg nach Kordel, vor dem ersten Tunneleingang geht es so richtig los. Ein Trost sind die entgegenkommenden Radfahrer, die das gleiche Schicksal erleiden, auch nicht. In Kordel bin ich dann pitschnass. Wenn ich durch die Kyll hier hin geschwommen wär, wär ich nicht nasser. Das Wasser steht in den Schuhen.

Und jetzt geht es auch noch den Berg hoch nach Butzweiler. Die Strasse hat wenigstens einen Vorteil: der dichte Wald schützt etwas vor dem Regen. Verkehr ist hier auf der Strasse fast gar keiner. Auf der ganzen Strecke begegnen mir keine 10 Autos.

Genau am Ortseingang von Butzweiler hört es auf. Endlich. Die Sonne kommt zwar nicht raus, muss sie ja auch nicht. In Butzweiler ist es ziemlich ruhig. Kein Traktor knattert, Keine Kühe muhen, auch Schweine hör ich hier nicht grunzen – nicht mal Hühner gackern. Für die kleine Frechheit bestraft mich das Dorf direkt, ab dem schönen Dorfbrunnen geht es über 90 Höhenmeter (4,6 %) bis zum Ortsausgang Richtung Beßlich. Aber dann ist das Meiste auch gepackt. Nur noch zwei kleine Hügelchen von 60 bzw. 50 Höhenmetern und dann ist Berg fest – OBEN!!!.

Der Blick auf Newel ist beruhigend. Abgesehen von nassen Füssen geht’s mir gut. Nur noch knappe 10 Kilometer und ich bin durch.

Schon in Gedanken bin ich unter der warmen Dusche, da ....

„Senta!!! Hier hin!! SENTA !!! AUS!!“

Was ? Wer? Wo ist der Feind?

„Wauuuu Wauuuu WauWau!!!“

Ach du lieber Gott, da kläfft mich einer an und kriegt sich nicht mehr ein, spingt in hohem Bogen über eine kleine Steinmauer und rasst über die Strasse, wird fast von einem Auto angefahren ...

Mir bleibt das Herz stehen – fast jedenfalls ...

Einen Meter hinter mir bleibt das Mistvieh stehen und knurrt nur noch – Hunde die Bellen beißen eben nicht. Und wie immer sind die Kleinen die lautesten. Wenn er mich ins Knie beißen wollte, hätte er doppelt so hoch springen müssen wie er groß ist ... ich kann sie nicht ausstehen ...

Weiter. Von so was lass ich mich doch nicht aufhalten.

Kreuzerberg, Aach – es geht nur noch bergab und das ist teilweise anstrengender als rauf zu laufen. Aach, Altenhof, Autobahnbrücke – Ziel.

31 Kilometer in 3:16:57 – ich geh mal davon aus, dass noch niemand die Strecke gelaufen ist, daher ist das jetzt der offizielle Streckenrekord.






Leider ging das diesmal nicht ohne bittere Verluste aus. Gleich zwei Strümpfe muss ich zu Grabe tragen: