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23 Grad, ein leichter Wolkenschleier bedeckt den Himmel. Die Luft riecht nach Lavendel. Vor mir liegt der Mont Ventoux mit seinem kahlen, weißen Gipfel auf etwas mehr als
1900 m ü. NN. 21 Kilometer zieht sich die Strecke rauf zum "Riesen der Provence". 21 Kilometer Strasse, die von Radfahrern gerne als Königsetappe bezeichnet werden. 21 Kilometer, die -wenn sie von der Tour de France gefahren wird - als ein Berg der "hors catégorie" eingestruft wird. 21 km die auf keinem Meter bergab führen.
Der Mont Ventoux gilt neben dem Col du Tourmalet (2.114 m, Pyrenäen), der im Jahre 1910 als erster Hochgebirgspass erklommen wurde, dem Col du Galibier (2.645 m, Alpen), der ein Jahr später ins Programm aufgenommen wurde, als einer der drei „heiligen Berge“ der Tour de France. Der Mont Ventoux (1.909 m, Provence), dessen einsam aufragender, vulkanartiger Kegel erstmals 1951 befahren wurde, gelangte 1967 durch den Tod von Tom Simpson 1967 zu trauriger Berühmtheit. In Malaucène, bei etwa 300 m ü. NN, startet der "Westanstieg" zum Mont Ventoux. Malaucène ist eine kleine provenzalische Stadt mit engem, verwinkeltem Stadtkern und einer Wehrkirche aus dem 14. Jahrhundert. Mit seinen 2.000 Einwohnern gehört Malaucène zu den größten Orten, die sich in der Ebene rund um den Berg entwickelt haben. Das Städtchen erlebte bereits im Mittelalter eine erste Blüte, woran heute aber nur noch zwei Stadttore und ein platanengesäumter Straßenring, der an die Stelle der abgetragenen Stadtmauer getreten ist, erinnern. Viel Sinn dafür habe ich jedoch nicht, wenn ich den Berg in Angriff nehme, denn es geht nämlich gleich los; erst bis zur Notre-Dame du Groseau auf 400 m ü. NN.
Die formschöne Kapelle ein romanischer Sakralbau, ist der Rest einer einst blühenden Benediktinerabtei. Das Langhaus wurde leider abgerissen, doch der quadratische Chor mit der Apsis faszinieren noch immer.
Gleich dahinter, am Fuß der ersten ernsthaften Steigung,
hat jemand 'Bon Courage' auf den Asphalt geschrieben. Depp! Mit 7 % Steigung ist das schon ganz schön heftig. Die Straße führt durch schönen Wald. Auf den Kilometersteinen stehen Höhenabgabe und Steigung des nächstens Kilometers. Guter Service :-). Nach 1100 Metern ist die erste Steigung geschaft. Ein wenig mehr als 9 Minuten hab ich bis hierher gebraucht. Ein paar hundert Meter Erhohlung auf einem kurzen Flachstück ehe auf 3 km etwa 240 Höhenmeter zu überwinden gilt. Steil is was anderes. Eine Schleife nach Süden bietet erste Blicke in die Ebene in Richtung Orange und Avignon danach geht es mehr oder weniger direkt auf den Gipfel zu. Bei der Gite Forestier des Ramayettes hat man, klare Sicht vorausgesetzt, einen schönen Blick sowohl nach Norden als auch nach Süden, die Strasse verläuft hier auf einem Kamm. Das erste Viertel ist geschaft. 5 1/2 Kilometer in 45 Minuten.
Na das kann ja noch etwas dauern. Kurz nach Kilometer 6 kommt das erste steile Stück: 13 % und prompt geht der Puls auf über 170 - ich muss langsamer machen und fast gehen. Ist das steil hier ... und gleich ne Stunde vorbei. Tja, so oder ähnlich könnte es aussehen, wenn ich im Mai in die Provence fahre :-) 7 Kilometer vom Mont Ventoux hab ich heute auf dem Laufband simuliert. Insgesamt werden es 21 - ist das in drei Stunden zu schaffen? Fortsetzung folgt ...
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