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Auch wenn das Logo mehr verspricht: Heute ist Halb-Marathon-Tag.
6:30 klingelt der Wecker - das ist nichts Ungewöhnliches, das ist jeden Tag so. Nur heute fällt das Aufstehen irgendwie leichter. Draussen scheint die Sonne, Kaffee ist schnell gemacht und dann mach ich mich auf den Weg. Ich hab etwas mehr Zeit, da ich bereits gestern die Startunterlagen abholen war. Den Weg über die Autobahn kenn ich ja in- und auswendig und auch Saarbrücken ist nicht neu, es war ja schließlich 3 Jahre meine "Zweite Heimat" - Grüße nach Riegelsberg - 8:36 landet mein Flieger in Saarbrücken im Parkhaus am Staatstheater.
Hier ist schon gewaltig was los. Die Laufverrückten sind hier eingefallen wie die Heuschrecken, statt nach Auspuffgasen riecht die Tiefgarage nach Menthol, Kampfer und anderen Mittelchen, die das Aufwärmen erleichtern und Verletzungen vorbeugen sollen. Ausserdem "doppen" die bestimmt ... Am Saarufer ist schon ganz schön was los. Der Radweg unterhalb des Staatstheaters ist gleichzeitig Start und Zielgelände. Ich hab noch etwas Zeit, und lauf schon mal ein Stück gegen die Kursrichtung um mich etwas aufzuwärmen. Nach 20 Minuten bin ich zurück und such mir schon mal 'nen Platz in der immer größer werdenden Menschenmenge - inoffiziell sollen es an die 2.000 sein.
Die Pacemaker für die Zielzeit von 2:00 h sind schnell gefunden, gleichzeitig weiß ich, dass sie mir am Anfang bis auf mehr als 1:30 min weglaufen werden. Ihr gleichmäßiger Schnitt von 5:40 min/km ist mir am Anfang zu schnell. Und schon geht's los. Der Startschuss von Oberbürgermeisterin Frau Charlotte Britz ist fast nicht zu hören durch das Stimmengemurmel, Zurufen, Musik und anderes TamTam. Der Tross setzt sich langsam in Bewegung, aber recht zügig kann ich das gewünschte Tempo angehen. Es geht an der Saar entlang, wie übrigens fast 90 % der Strecke, bis hinunter zur Westspange. Da hat sich die erste Samba-Band aufgebaut. Stimmung!!!! Dann geht' s über die Westspange - und so langsam könnte die erste Verpflegungsstation kommen - wozu hab ich denn 35,- Organisationsbeitrag gezahlt? Zum Frühstück gab's nur nen Kaffee. Die erste Station steht kurz vor bei KM 3. Ich nehm Wasser, gehe kurz um zu trinken - schließlich hab ich aus dem Drama in Schweich gelernt. Aber erstaunlicherweise geht das hier absolut diszipliniert zu, trotz dem großen Andrang.
Weiter - die Zeit drängt - "beeile dich" !!! Erstaunlich gut halte ich den angestrebten Schnitt von 5:50 und kurzweilig ist es auch. Die Verpflegungsstation bei KM 5 lass ich aus. Ich bin auf dem Weg die Saar rauf zur Daarler Brücke beim Fernwärme-Heizwerk. Hier steht die zweite Samba-Gruppe und macht Stimmung. Schnell über die Brücke, dahinter rechts hinter's Heizwerk zum "ödesten Punkt der Strecke" wie ein Sprecher dort verkündet - Wendepunkt. Auf dem St. Johanner Markt ist mit Gittern der Parcours gesteckt. Hier sitzt und steht das gemeine Volk und applaudiert pausenlos, andere sitzen beim zweiten Frühstück - Faulenzer - "oh, geht doch fott", euer Croissant soll euch im Hals stecken bleiben ... die Krönung ist ein 2-Zentner-Kerl, vielleicht grad 30 Jahr. Im Campingstuhl mit Bierdosenhalter und 0,5er Dose Diebels hat er sich dierekt neben der Strecke an den Saarwiesen aufgebaut.
Der Startzielbereich ist neben dem St. Johanner Markt zweiter Anziehungspunkt für die Zuschauer. Hier endet die erste Runde (1:00:15) und die zweite beginnt. Ich lieg voll im Plan und will jetzt das Tempo leicht auf 5:30 min/km erhöhen. Und dann passiert es: Ungeduld und Übermut lassen mich das Tempo auf 5:15 steigern. Es läuft prima, sogar mit Ess- und Trinkpausen ist das Tempo zu halten - aber zu welchen Kosten?! KM 17 wird zum schwärzesten Kilometer aller Zeiten - ich muss mal, meine Beine werden schwer, ich geh kaputt ...
Los!! Weiter!! Noch ist das Ziel 2:00 h drin ... ach was lass es ... geh einfach ein Stück ... Nee! Weiter! Wirst dir doch hier keine Blöße geben! ... ach le.. mich, ich bin kaputt, mir ist warm ich hab keinen Bock mehr ... Komm es sind nur noch lächerliche 3 Kilometer - mir geht so einiges durch den Kopf. Als ich am Parkhaus am Staatstheater vorbei schleiche um den letzten Schlenker über den St. Johanner Markt zumachen geht's wieder - die Cola am letzten Stand scheint zu wirken, die Zuschauer applaudieren immer noch - der Duracell-Hase kommt mir in den Kopf ...
Ziel in Sicht!!!! Die Uhr bleibt bei 2:01:49 stehen. Ich bekomme von 'ner jungen Dame die Medaille umgehängt aber das Siegerküsschen muss ich mir erzwingen - die hat sich richtig heftig gewehrt und gekratzt und gebissen - Spass beiseite, für Siegerküsschen war keine Zeit - zuviel Andrang; das gilt ebenso für den Zielbereich, Iso-Getränk, Mineralwasser, Cola, Bananen, Powerriegel bis der Magen platzt - und ein schönes kaltes Hefe-Weizen. Die "After-Work-Party" ist bei der Umgebung und dem Wetter einfach genial - nächstes Jahr bin ich wieder hier ...
Ich ziehe meine Lehren aus dem Lauf: Nicht so schnell angehen, Plan einhalten und mit den Kräften haushalten, viel trinken, Bananen machen Magenkrämpfe, Innenseite der Oberschenkel gut mit Melkfett oder Vaseline einschmieren, Brustwarzenpflaster ist auch kein Luxus - und die neuen Schuhe sind ihr Geld wert :-) Super Bericht ... - Ergebnisliste (Bruttozeiten) ... - Urkunde (pdf) ... - Bilder (1) ... - Bilder (2) ... Nachtrag: Es ist vollbracht! Saarbrücken Marathon sagt DANKE an alle, die mit dabei waren als: Läufer, Partner, Helfer, Föderer, Angehörige und Zuschauer. Ihr ward super!! An den Start gingen am Sonntag: 751 Marathonis, davon 83 Frauen und 668 Männer. 1144 Halbmarathonis, davon 360 Frauen und 784 Männer. Ins Ziel kamen: 591 Marathonis, davon 68 Frauen und 523 Männer 969 Halbmarathonis, davon 299 Frauen und 670 Männer, umjubelt von tausenden von Zuschauern am Streckenrand. Die Sieger im Marathon: Rainer Hauch (2:38:18) und Silvia Büdinger (3:28). Im Halbmarathon siegten Florian Neuschwander (1:08:56) und Irene Michels (1:28). |