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Die Laufreunde Ruwertal aus Waldrach veranstalten heute ihren 17. Freundschaftslauf um die Riveristalsperre. Neben Walking-Wettbewerben, Kinderläufen und dem "Zehner" wird der Halbmarathon angeboten.
Nach den Erfahrungen in Saarbrücken und der nur mit 2:02 h knapp verpassten 2-Stunden-Marke ist heute mein Ziel, in diesem Lauf unter zwei Stunden zu bleiben. Aber bereits am Start werde ich böse überrascht. Gerade erst auf dem Startgelände und noch keine Sekunde warm gemacht, kommt schon die Lautsprecherdurchsage "Der Halbmarathon startet in fünf Minuten!". ? ? ? Wieso in fünf Minuten? Ich bin fest der Meinung der Start ist um 17:30 und hätte damit noch über eine halbe Stunde Zeit um mich aufzuwärmen. Pustekuchen. Auch meine Proteste bei der Wettkampfjury helfen nichts. Also gut, dann muss ich eben ein Ruck-Zuck-Aufwärmprogramm machen. "The-3-minuite-warmup" - ich schreib vielleicht mal ein buch drüber; noch dehnen und dann zum Start. Los geht's - ich sortier mich im hinteren Drittel ein und drück an der Startlinie die Uhr. In einer Schleife geht es durch die Weinberge sanft hinunter zur "alten Hermeskeiler" und zum Verteilerkreis. Die ersten zwei Kilometer laufen prima, geht ja auch fast nur bergab. Ich bin gut in der Zeit. Mein Zeitplan sieht angesichts der schweren Strecke so aus, dass ich die erste Hälfte in 5:50 min/km und die zweite Hälfte in 5:30 min/km laufen will. Nach 2,5 km kommt die erste Verpflegungstelle. Gereicht werden Wasser und nasse Schwämme. Ich greif zu und zieh den halben Becher beim Laufen durch die Nase ... Schei.... ich stell mich heute aber auch dumm an ...
Von hier an geht es bergauf, nicht steil aber stetig. Mein Zeitplan sieht bis hierhin gut aus, habe etwas Vorsprung den ich nachher rauf zum Rundweg um die Talsperre brauchen werde. Nach fünf Kilometern werf ich die ersten Kohlenhydrate ein. Nach den Erfahrungen in Saarbrücken weiß ich, dass nach etwa 16 - 17 Kilometern der Einbruch kommt und es dann zu spät ist, was zu sich zunehmen. Um später bei der Dopingkontrolle keine bösen Überraschungen zu erleben, hab ich mich extra bei der "Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA)" informiert, ob das auch zulässig ist - Es ist!!!!! In Riveris ist die Strasse durch die örtliche freiwillige Feuerwehr abgesperrt. Es geht die Stauseestrasse rauf, ehe es am Parkplatz unterhalb der Staumauer erst zum Grillplatz geht. Hinter dem Grillplatz ist der Wendepunkt. Eine ideale Gelegenheit, mal den Leute vor und hinter sich ins Gesicht zu sehen. Wie stark ist die Konkurrenz, schwächelt der ein oder andere, was ist noch drin ... Zurück am Parkplatz geht es links steil hoch. 10 % und das auf fast zwei Kilometern. Hier kommt mir die Erfahrung vom Mont Ventoux zu Gute. Den ein oder anderen kann ich förmlich stehen lassen. Endlich oben kommt 'ne Verpflegungsstation. Bei 10 Kilometern bin ich voll im Zeitplan. Ich werf noch mal ein paar Kohlenhydrate ein. Jetzt heißt es Tempo etwas steigern. 40 Meter vor mir läuft ein älter Herr, auf den will ich jetzt stetig verkürzen. Bei 11 km hab ich ihn eingeholt. Dafür fängt es jetzt richtig dicke an zu regnen. 60 Meter vor mir läuft ne kleine Gruppe, die aber immer wieder um die Kurven verschwindet. Ist das hier eine schwierige Strecke: Immer wieder Berg rauf und runter. Das geht in die Beine. Dann der Regen. Und dann auch noch ein Stück Holz im Schuh. die Zeit läuft mir etwas davon. Bin hinter dem Plan. Im Hinterkopf hab ich noch die Gewissheit, dass es nach der Runde um den See bergab geht, erst Steil den Staudamm runter, dann ab Riveris 3-4 Kilometer weniger steil. Auf dem Stück zwischen dem Stausee und Waldrach kann ich jeden Kilometer fast 30 Sekunden gutmachen.
Zurück in Waldrach, etwa fünf Minuten vor der Zeit, kann ich beruhigt die letzten 1,5 Kilomter angehen. 1000 Meter geht es wieder bergauf zum Ziel. Und dafür hab ich dann 10 Minuten Zeit. Dank der Erfahrung am Mont Ventoux weiß ich, dass das sogar gehend und total kaputt schaffen würde. Im Ziel wird jeder per Lautsprecher angekündigt: "Mit der Nummer 361 - auch mit etwa 1:58 eine Zeit unter 2 Stunden - Thomas Moritz, Trier." - JA!!!!!!! Mit 1:57:58 h hab ich diese Ziel auch geschafft. Wenn man persönliche Bestzeit läuft, dann ist man hoch zufrieden, auch wenn der Gesamtsieger, der auch in meiner Altersklasse läuft, schon nach 1:07 h im Ziel war.
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