|
Sonntag Abend, 19:15. Seit Wochen herrscht brütende Hitze in Deutschland, die jede körperliche Betätigung zu einem Schweißbad ausarten läßt. Dem entsprechend ist Wasserzufuhr ein absolutes Muss, wenn man sich auf lange Laufstrecken vorbereitet.
Der lange Lauf am Wochenende wird in den verbleibenden 9 Wochen regelmäßig auf dem Programm stehen, und solange es so heiß ist wird er früh morgens oder spät abends stattfinden. Heute ist er um etwa 6 km länger als am vergangen Wochenende und um viertel nach 7 geht es los. Ausgehend vom Bahnübergang in Ehrang soll es den Kylltalradweg 'rauf gehen bis zum Daufenbacher Bahnhof - und wieder zurück. Das Kylltal hat einen entscheiden Vorteil: sobald die Sonne nicht mehr direkt ins Tal scheint wird es angenehm kühl. Dadurch, dass die Strecke durch waldreiches Gebiet verläuft, liegt die Strecke an vielen Stellen im Schatten. Außerdem ist Strecke bis auf 200 Meter vor der Deimlinger Mühle flach. Die ersten Meter entlang der Bahnstrecke verlaufen absolut unspektakulär. Bis zu dem Punkt, an dem der Radweg näher an die Kyll heran rückt und die Bahn die FLussseite wechselt. Da bläßt jemand das Halali - Sau tot - oder so. Ein einsamer Waldhornbläser hat es sich gegenüber an einem der Tiebrunnen der Stadtwerke gemütlich gemacht und übt auf seinem Horn. Ab und zu etwas schief und genau aus diesem Grund hat er sich wohl aus der Zivilisation zurückgezogen und übt hier. Sehr rücksichtsvoll und ich finde das überhaupt nicht belästigend - Im Gegenteil dieser Talbewohner ist geradezu harmlos. Denn neben den menschlichen Bewohnern des Tales, die, neben dem Waldhorn spielen, gerne an den vielen Biergärten insbsondere um Kordel herum ihren Durst löschen und keinerlei Verständnis für Leibesübungen zu später Stunde haben, leben hier noch die Tabanidae. Das ist kein ostaftrikanischer Stamm der nach hier in grauen Urzeiten übersiedelte sondern das ist ein kleines, vielbeiniges, geflügeltes Getier. Diese kleinen possierlichen Tierchen werden der Familie aus der Unterordnung der Brachycera in der Ordnung der Diptera zugeordnet und gehören zu den hämatophagen Insekten.
Wer keine biologische Spezialausbildung hat oder Griechisch-Gundkurs auf einem altsprachlichen Gymnasium belegt hatte wird das bis hier nicht verstanden haben - ich auch nicht - aber soviel sei erklärt: haimatos ist griechisch für Blut, hämatophag heist "blutsaugend", und wer kein Blut sehen kann der liest jetzt besser in Zeile 2374 weiter ... Mit Tabanidae bezeichnet der Durchschnittsbiologe die gemeine Bremse. Diese Biester sind Tag und Nacht auf der Suche nach Opfern, denen sie dann kaltblütig ihren Rüssel durch die Haut rammen und nach deren Blut gieren. Schweiß lockt sie an. Sie stechen nicht nur den Menschen, sondern auch alle anderen Kalt- und Warmblüter. Besonders aktiv sind sie in Zentraleuropa zwischen April und August an schwülen Tagen und ganz besonders heute - hab ich den Eindruck. Im Gegensatz zu Stechmücken ist der Einstich bei Bremsen deutlich schmerzhaft spürbar, da die Mundwerkzeuge wesentlich größer sind. Sie können auch durch Kleidung stechen. Sie injizieren - wie auch viele andere Blut saugende Insekten - ein gerinnungshemmendes Sekret, welches bei der relativ großen Bisswunde ein Weiterbluten nach dem Saugen verursacht. Bremsen können bis zu 0,02 ml Blut saugen. Nur so wenig? Wie beruhigend ...
Bremsen gehören zu den schnellsten Insekten der Welt. Sie können eine Fluggeschwindigkeit von etwa 70 km/h erreichen wogegen das Lauftempo heute bei knapp unter 7 min/km liegt (8,6 km/h) - Flucht durch Weglaufen also unmöglich ... Au! - Mistvieh! ... Noch zu erwähnen sei folgenes: bei den meisten der etwa 4.000 Arten saugt das Weibchen Blut, während das Männchen Blüten besucht und Nektar saugt - wer gab damals Adam den Apfel ... ? Weibsvolk ... Au! Die Kilometer plätschern nur so dahin. Während in Kordel allerhand los ist und viele Leute auf den Strassen unterwegs sind, ist sechs Kilometer weiter in Daufenbach der Hund begraben. Am Bahnhof in Daufenbach ist Wendepunkt. Die Zeit ist nicht so wichtig, da ja als Trainingsziel heute "Kilometerfressen" angesagt ist.
Kurz nach halb elf ist nach 24,2 Kilometern und 2:48 h Zieleinlauf am Bahnübergang in Ehrang. Es ist schon dunkel und ich hab Durst und mir tut der rechte Fuss weh, und die linke Wade, und ... |